solidarität mit israel! gegen islamismus und antisemitismus

Am 4. September 2010 wird es in Berlin eine Demonstration antifaschistischer Gruppen gegen die reaktionären Aktivitäten derer, die dann den al-Quds-Tag begehen, geben. Zum Aufruf des Bündnis‘ geht es hier.

grigat in town…

Iran im Weltsystem & Verratene Freiheit:
Buchpräsentationen und Vorträge mit Stephan Grigat u.a. am 6. Oktober 2010 um 20 Uhr im I.G. Farben-Haus der Uni Frankfurt (Grüneburgplatz 1).
Stephan Grigat: Befreite Gesellschaft und Israel – Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Zionismus

von der falschen einheit…

Das revolutionäre Programm der Abschaffung des gleichen Tausches und der Warenproduktion impliziert nicht, dass mit der Realisierung dieser die globalgesellschaftliche Organisation der Produktion aufzuheben und sich an regressiven kollektivistischen Ideologien einer subsistenten, nationalprotektionistischen Agrarökonomie zu orientieren ist.
Der kommunistischen Kritik gilt, dass der kapitalistische Weltmarkt „die falsche Einheit der Menschheit ist – absolut gleichgültig gegenüber Hunger und Elend, aber doch eine Einheit: Von ihr ausgehend könnten Hunger und Elend erst bekämpft werden, sollten Kapitalverhältnis und Staatsmacht einmal durch Vernunft ersetzt werden“ (Scheit).
Bei dieser Thematik ist auf die derzeitigen Proteste der Lohnarbeiterinnen der Textilindustrie in Bangladesch hinzuweisen – zynisch und ignorant ist es zu kritisieren, dass diese doch der Wertvergesellschaftung immanent sind.

der kommunismus ist nichts wert…

Die Kritik der irrationalen, gesellschaftlich total gewordenen Verwertungsmaschinerie, die das Individuum funktional in den Zustand eines mehrwertproduktiv zu vernutzendes stofflichen Dinges versetzt, hat nichts mit dem diffusen Antikapitalismus der etatistischen und alternativen Linken gemein. So findet sie ihren Ausdruck nicht in einem emotional und moralisch artikulierten Protest gegen die vermeintlich sich ihrer bewusst seienden und als Subjekt handelnden bourgoisen Klasse. Ihr Wunsch ist es auch nicht, dem Proletariat mittels der Aneignung des Staates zur sozialistischen und nationalen Klassenherrschaft zu verhelfen, sondern den staatlichen Garanten des ungleichen Zugangs der Individuen zum Reichtum der Gesellschaft und die exklusive Kollektivideologie der Nation abzuschaffen.
Der kommunistischen Kritik ist bekannt, dass es sich bei der Ausbeutung der Arbeitskraftmonaden durch das Kapital zwecks seiner Akkumulation um eine durch den Tausch und per Kontrakt vermittelte und somit apersonale Herrschaft handelt, dass das Kapital ein vom Gewaltmonopolisten garantiertes gesellschaftliches Verhältnis der formell Freien und Gleichen darstellt, die es unentwegt und unbewusst durch ihr soziales Dasein als Warentauschende reproduzieren.
An ihrer physischen und sozialen Existenz interessiert, sind sie, sich am Gebrauchswert der Waren orientierend, zum durch das Geld vermittelten Tausch, die Masse der Eigentumslosen zudem zur Lohnarbeit gezwungen.
Doch dieser aus der Wertvergesellschaftung resultierende Zwang erscheint den sozialisierten, in die Maschinerie integrierten Vereinzelten als gegeben und ahistorisch: die marktvermittelte Konkurrenz und Vernutzung in Permanenz stellt sich ihnen als soziales Naturgesetz dar. So ist die individuelle wie gesellschaftliche Reproduktion mit der des Kapitals identisch geworden.
Dem im Stoffwechselprozess mit der Natur produzierten konkreten Ding mit der Potenz zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse kommt von sich aus kein abstrakter Wert zu, dieser wird ihm bei seinem Tausch als Ware gegen Geld durch die sich instrumentell als „Repräsentanten von Ware“ (Marx) zueinander verhaltenden Atomisierten fetischistisch zugesprochen.
Sinnlich ungleiche, doch gleichwertige Waren werden in der Zirkulation getauscht. Möglich wird dieser Vergleich von stofflich Ungleichem dadurch, dass sich dabei auf das bezogen wird, was allen Arbeitsprodukten gemein ist und ihren Wert als Waren setzt: die in ihnen verdinglichte abstrakte Arbeit, die gesellschaftlich durchschnittliche Arbeitszeit, die zur Herstellung dieser notwendig ist.
Es sind die Einzelnen selbst, die durch den von ihnen immerzu praktizierten Tausch im gesellschaftlichen Stoffwechselprozess fetischistisch den Wert hervorbringen, der ihnen dann in der dynamischen Bewegung seiner Selbstverwertung als nicht zu und sie beherrschendes, sinnlich nicht zu fassendes Mysterium begegnet. Real setzt diese Abstraktion die Einzelnen als lebendiges Material der Verwertung, als organisches Kapital. Angst herrscht davor, aus dieser Vernutzung ausgelassen zu werden, ist die individuelle Reproduktion in der kapitalisierten Gesellschaft bei Eigentumslosigkeit doch nur durch die eigene Ausbeutung möglich.
Brot wird im Kapitalismus nur produziert, wenn die Hungernden auch das notwendige Geld, die allgemeine Verdinglichung des Wertes, besitzen, um es zu kaufen. Die Maschinen werden auch bei Bedarf und vorhandenem Material nicht zur Herstellung von Gebrauchswerten eingesetzt, wenn durch diese keine Akkumulation abzusehen ist. Stoffliches wird nur produziert, um mittels seines Tausches gegen Geld einen abstrakten Mehrwert zu realisieren, wobei es gleich ist, ob es sich um Bomben, Medizin oder Sneakers handelt.
Die kapitalistische Warenproduktion ist der Vernunft zuwider. Der sich an der freien Assoziation orientierenden Kritik geht es bei ihrer Denunziation der Verdinglichung und Ausbeutung nicht um eine nationalsozialstaatliche Regulierung des Kapitals oder einen elendigen Lohn, sondern um die Abschaffung der Lohnarbeit, des Geldes und der globalen Verelendung.
Ihr ist bekannt, dass in der Zirkulation konkret Ungleiches, doch vom Wert her Gleiches getauscht wird, die Ausbeutung der LohnarbeiterInnen also im Arbeitsprozess der Warenproduktion und nicht in der Zirkulation auszumachen ist. Nicht der Tausch der Arbeitskraft gegen Geld stellt die Ausbeutung dar, sei der Lohn noch so miserabel, sondern die mit der Lohnarbeit verbundene Aneignung des Wertes der Mehrarbeit durch die KapitalverwalterInnen, der sich in den von den Arbeitskraftmonaden produzierten Waren verdinglicht und nur durch ihren Austausch gegen Geld am Markt realisiert werden kann.
Dass der Lohn zumeist auch dem Wert der Ware Arbeitskraft entspricht, dass beim Tausch Geld gegen Arbeitskraft also gleichwertiges getauscht wird, die Gewerkschaften somit nur institutionalisierte Agentinnen der Lohnarbeit im nationalen Zwangs- und Verwertungszusammenhang darstellen, die diesen und die Arbeitszeit korparatistisch mit den „Charaktermasken“ (Marx) des Kapitals verhandeln, hat die Kritik der kapitalisierten Gesellschaft zu artikulieren.
Die Arbeitskraft ist eine besondere Ware, hat sie doch mittels des Einsatzes ihres Gebrauchswertes, der Arbeit, die Potenz, mehr Wert hervor zu bringen als zu ihrer Reproduktion notwendig, sie also selbst wert ist.
Der strukturelle Zwang zur Ausbeutung dieser zwecks Akkumulation von Mehrwert und Kapitalexpansion resultiert aus der permanenten Konkurrenz der Kapitale am Markt, weshalb die Passionen, die Moral und die Motivationen der Besitzenden auch nicht von Interesse bei einer Auseinandersetzung mit der Ausbeutung durch das Kapital sind.
Es gilt, dass die „freie Konkurrenz […] die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenüber als äußerliches Zwanggesetz geltend [macht]“ (Marx). Historisch hat diese Konkurrenz die Bourgeoisie global zur unentwegten Modernisierung, Automatisierung und Technisierung der Produktionsmaschinerie gezwungen, wodurch sie die materiellen Bedingungen der radikalen Reduzierung der gesellschaftlich notwendigen Arbeit und Abschaffung von Hunger und Armut möglich gemacht hat.
Der kommunistischen Kritik geht es um die Aneignung dieser Maschinerie, ein Ende der blinden Naturbeherrschung und die universale Abschaffung der Klassen, darum, dass sich die Produktion an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, allen Individuen der gleiche Zugang zum gesellschaftlichen Reichtum möglich ist und nicht, wie realsozialistisch vorexerziert, um ihre repressive Gleichheit, Zwangskollektivismus, Proletenkult und staatliche Almosendistribution.
Der gewaltmonopolistische Garant des Eigentums und der Warenproduktion, somit also der kapitalistischen Akkumulation, die doch seine Existenzbasis in der globalen Staatenkonkurrenz darstellt, gilt deshalb genauso als Antagonist einer von marktvermittelter Konkurrenz und Ausbeutung befreiten Gesellschaft wie die Wertvergesellschaftung, bedingen Staat und Kapital doch existenziell einander. Dem kosmopolitschen Kommunismus sind beide nichts wert.

adorno

„Alles Mitmachen, alle Menschlichkeit von Umgang und Teilhabe ist bloße Maske fürs stillschweigende Akzeptieren des Unmenschlichen.
Einig sein soll man mit dem Leiden der Menschen: der kleinste Schritt zu ihren Freuden hin ist einer zur Verhärtung des Leidens.“

linksdeutscher antiimperialismus

Am 29. Juni wird es im Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) in Frankfurt am Main eine Veranstaltung zu dem Thema „Der deutsch-europäische Antiimperialismus, die „junge Welt“ und die Islamische Republik Iran“ geben. Beginn ist um 20 Uhr. Weitere Infos dazu gibt es auf der Homepage der Antideutschen Koalition Rhein/Main: http://adkoalitionrm.blogsport.de/

antizionismus in deutschland

Am Samstag, den 19. Juni, findet um 19:00 Uhr im Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) in Frankfurt am Main eine Veranstaltung mit Joachim Bruhn zu dem Thema „Geschichte und Zukunft des Antizionismus in Deutschland“ statt. Weitere Infos: http://gruppemorgenthau.blogsport.de/

zu [bonjour solitude]:

[bonjour solitude] ist konzipiert als Assoziation.

[bonjour solitude] macht sich nichts vor: an die gesellschaftliche Verwirklichung des Kommunismus, die freie Assoziation der Individuen, ist nicht zu denken. Dennoch gilt es das Bestehende weiter zu denunzieren und per materialistischer Kritik zu verteidigen, was zumindest noch an individuelles Glück, Genuss und Freiheit von Zwang erinnert.
Die Waren produzierende Gesellschaft der formell Freien und Gleichen, die das Individuum gewaltmonopolistisch in den Zustand einer juristischen Person versetzt, kann ihr Emanzipationsversprechen nicht halten. Sie hat dem Individuum die dynamische Bewegung und gesellschaftliche Herrschaft des sich verwertenden Werts und somit die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zur zweiten, zu seiner Natur werden lassen.
„Wie der Gebrauchswert die, wenn auch unverzichtbare, Staffage des Tauschwerts, so der Körper das notwendige Menschenmaterial, an dem die kapitale Vergesellschaftung nur erscheinen kann.“ (Bruhn)
Heilig ist dem Staat des Kapitals seine materielle und somit politische Existenzbedingung, die Akkumulation. Die Menschen sind dem Kapital dabei einzig mehrwertproduktiv zu vernutzende Arbeitskraftmonaden: lebendige Arbeit. Den Atomisierten scheint es fetischistisch noch immer so, als ob den stofflichen Dingen, die sie in Konkurrenz zueinander produzieren und per Kontrakt als Waren miteinander tauschen, von Natur aus, ihrem Wesen nach ein Wert zukommt.
Der Gedanke, eine Gesellschaft nicht nach den Kriterien des Tausches, der staatlichen Menschenverwaltung und -zurichtung sowie des Zwanges zur Lohnarbeit zu organisieren, kommt ihnen nicht in das Bewusstsein.
Dass sich die kapitalistische Produktion einem Zustand der Vernunft entsagend allein an der „Plusmacherei“ (Marx) und nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, dass Elend und Hunger global zunehmen, wobei ihre Abschaffung materiell schon lange möglich ist, ist ihnen kein Anlass zur gesellschaftlichen, bewussten Aneignung der Maschinerie.
Nicht die freie Assoziation der Individuen, sondern das konterrevolutionäre Programm von Volk, Nation, Arbeit und das antisemitische Ressentiment sind die fetischistischen Reaktionen der verwalteten, durch die marktvermittelte Konkurrenz voneinander Isolierten auf die Moderne und den globalen Krisenkapitalismus.
In ihrem Hass auf das unterstellte Glück ohne Zwang, das Refugium aller vom globalisierten Antisemitismus Verfolgten – Israel – und die projektive Personifizierung des Abstrakten der Kapitalverwertung sind sie vereint.
Schon einmal materialisierte sich deutsche Ideologie in der Synthese von Staat, Kapital und Arbeit, in Auschwitz kam sie zu sich selbst.
Mit dieser Einrichtung der Welt konfrontiert, die keine menschliche ist, setzt sich [bonjour solitude] ohne Illusionen für den kosmopolitischen Kommunismus, die klassen- und staatenlose Weltgesellschaft, ein.
Dabei gilt sich bewusst zu machen: „Zart wäre einzig das Gröbste: daß keiner mehr hungern soll“ (Adorno).