proteste gegen das iranische regime

wird es in Frankfurt am 11. Februar 2011 (Fr) um 14:00 vor dem Hauptbahnhof geben.
Konkrete Infos und den Aufruf findet ihr hier.

dokumentiert:

„Die suspendierte Gattung Mensch – zur Kritik der europäischen Flüchtlingsabwehr“ von Cosmoproletarian Solidarity

27. Januar 1945

Am 27. Januar 1945 erreichte die Rote Armee das KZ Auschwitz-Birkenau und beendete die industriell organisierte Menschenvernichtung.
In Gedenken an die Befreiung der Überlebenden und die ermordeten Opfer der nationalsozialistischen Terrorherrschaft wird die VVN-BdA Mainz am 27sten mit einem Portrait an Alfred Epstein erinnern, einem jüdischen Antifaschisten aus dem Widerstand.
Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr im Antiquariat am Ballplatz (Mz). Weitere Infos gibt es hier.

zur verewigung der herrschaft

Der modernen, kapitalisierten antagonistischen Gesellschaft, wie sie sich heute vor allem in Westeuropa und Nordamerika zeigt, gingen unter anderem der historische Prozess der gewaltsamen Trennung der auf dem Land lebenden ProduzentInnen von den Produktionsmitteln (in Europa) sowie die Durchsetzung der formellen Gleichheit und Freiheit voraus.
Letztere war mit der Abschaffung der konkreten, personalen Herrschaft, welche noch den Feudalismus charakterisierte, verbunden. Die Arbeitskraft wurde zur Ware, das als Subjekt gesetzte Individuum kann diese seitdem sein staatlich garantiertes Eigentum nennen*.
Dies bezieht sich auf die Regionen der Erde, in denen der Gewaltmonopolist bürgerliches Recht exekutiert, wo Warenproduktion, qua Tausch und Kontrakt vermittelte menschliche Beziehungen und Privateigentum im Allgemeinen die Ordnung der gesellschaftlichen Reproduktion darstellen. Doch unter brutalster direkter Herrschaft, zumeist Hybride aus Sklaverei und kapitalistischer Ausbeutung, leiden noch heute global Massen von Menschen – und es werden immer mehr. Die Herrschaft des Menschen über den Menschen, vermittelte wie konkrete, scheint sich zu verewigen.

*Dies gilt im kapitalistischen Vollzug des Immergleichen. Doch setzt der gesellschaftliche Ausnahmezustand ein, demonstriert der Gewaltmonopolist um so deutlicher, dass er dieses Recht nicht nur garantieren, sondern auch kassieren kann. Die Physis des empirischen Individuums wird dann zum potenziellen Objekt direkter, totaler Zurichtung und Verwaltung durch den Staat.

marcuse

„Die Entwicklung der Persönlichkeit meint auch die Entwicklung der Erkenntnis: Einsicht in die Zusammenhänge der Wirklichkeit, in der man lebt. So wie sie aussehen, muß jeder Schritt, durch den sich das Individuum von der unmittelbaren Hingabe an die Erscheinung und von der bereitwilligen Aufnahme der ihr Wesen verhüllenden Ideologie entfernt, das gebotene Glück ihm zerstören. Sein der Einsicht wirklich folgendes Handeln führt entweder zum Kampf gegen das Bestehende oder zur Entsagung. Die Erkenntnis verhilft ihm nicht zum Glück, und ohne sie fällt die Person wieder in die verdinglichten Beziehungen zurück. Es ist ein unausweichliches Dilemma. Genuß und Wahrheit, Glück und die wesentlichen Beziehungen der Individuen fallen auseinander.“

brandanschlag auf synagoge in mainz

„Der Antisemitismus versetzt Juden in eine ausweglose Situation. Dem reichen Juden wird sein Erfolg angekreidet, der arme als Schnorrer verachtet.
Der Assimilant erscheint als heimtückischer Zersetzer des Volkskörpers, der Traditionsbewusste als anpassungsunfähiger Sonderling.
Der sexuell Aktive gilt als Verderber und Verführer der Jugend, der Enthaltsame als impotenter Schwächling. Was auch immer Juden tun, sie liefern den Antisemiten stets nur neues Material zur Illustration ihres Wahns. Passt ein Verhalten einmal nicht in die projektive Bilderwelt des Antisemiten, wird es gerade dadurch integriert, dass in solch einem unerwarteten Agieren eine besondere Perfidie zwecks Verschleierung der wahren Absichten vermutet wird. Ähnliches vollzieht sich in der aktuellen geopolitischen Reproduktion des Antisemitismus, dem Antizionismus, der das klassische Bild des geldgeilen, vergeistigten und wehrunfähigen jüdischen Luftmenschen durch jenes des alles niedertrampelnden, auf territoriale Expansion und völkische Homogenität setzenden Israeli ergänzt. Was auch immer Israel tut, es ist und bleibt in den Augen großer Teile der Weltöffentlichkeit Schuld an Elend und Zerstörung in der Region.“ (Grigat)
Letztes Wochenende kam es zu einem Brandanschlag auf die Synagoge in Mainz. Dass niemand zu Schaden kam, dass 72 Jahre nach der Reichspogromnacht in Deutschland nicht wieder eine Synagoge brannte, ist allein einem Zufall zu verdanken. Am Montag kam es zu einer spontanen Demonstration gegen diesen antisemitischen Terror.
Schon im Mai brachten AntisemitInnen in der Region ihren Wahn materiell zum Ausdruck, als sie die Synagoge in Worms in Brand setzten – hinterlassen wurde dabei folgendes Schreiben: „Sobald ihr nicht den Palästinensern Ruhe gibt [sic], geben wir euch keine Ruhe.“

kein vergeben, kein vergessen!

Verwiesen sei hier auf die Gedenkveranstaltung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA Mainz) in Mainz zum 72sten Jahrestag der Reichspogromnacht. Zum Flyer der Kundgebung vor dem jüdischen Gemeindezentrum (9. November, 17 Uhr) geht es hier.
Ein weiterer Hinweis: „Den Hitler jag‘ ich in die Luft“ – Infoveranstaltung zu Hans Georg Elser im Cafe Klatsch in Wiesbaden (7. November, 20 Uhr).

guerre au capital?

Vom sozialrevolutionären und antinationalen Krisenbündnis Frankfurt und der antifaschistischen Jugendgruppe Wiesbaden organisiert, wird am 26.10. in Wiesbaden eine antikapitalistische Demonstration („Gegen Lohnarbeit, Leistungsterror und Standortkonkurrenz – Die Krise heißt Kapitalismus!“) stattfinden.
Als Movens dient diesen linken Gruppen eine unter dem Slogan „Mit Energie in die Zukunft“ stehende Veranstaltung des Verbandes hessischer Unternehmer (VhU) – eine Party von ideologischen ApologetInnen einer Gesellschaft, die „sinnliche, nützliche Dinge in Geld und damit abstrakten Reichtum so verwandeln kann wie nur Jesus das Wasser in den Wein“ (ISF).
Der Verband hessischer Unternehmer ist also – zugegeben – alles andere als ein sympathischer. Dennoch: Skepsis ist geboten, wenn Deutsche zum Protest, insbesondere zum antikapitalistischen, geladen werden. Niemand glaubt daran, dass sich auf dieser Demo irgendein rasender Mob formieren wird.
Es werden wahrscheinlich wieder nur die aus der Region bekannten antinationalen Gruppen und andere Linke kommen.
Den deutschen VolksgenossInnen geht es gerade sowieso um anderes, Heimatschutz zum Beispiel, wie die bornierten Proteste gegen den Umbau eines Bahnhofes, die zumeist rassistische und kulturalisierende, aber nicht islamkritische Diskussion um Integration oder die bevorstehenden Aktionen gegen den Castortransport zeigen.
Auf die Demonstration in Wiesbaden bezogen, geht es darum, dass die allgemeine Auseinandersetzung mit dem deutschen Antikapitalismus und Arbeitsfetischismus dennoch nicht ausbleiben kann (zu der Thematik siehe zum Beispiel hier).
Der Aufruf des Bündnis‘ benennt zumindest generell, dass es die kapitalistische Warenproduktion und den Staat abzuschaffen gilt, dass nicht die Klasse der KapitalverwalterInnen das Problem darstellt. Warum dann also dieser Anlass, suggeriert dieser doch, dass Kapital und Ausbeutung konkret auszumachen seien?
Die mobilisierenden Gruppen formulieren in ihrem Aufruf keine personalisierende Kritik, doch: eine antikapitalistische Demo, auf deren Route eine bourgeoise Party liegt, stellt eine Einladung an die Projektion und das Ressentiment dar, dessen Wunsch alles andere als die gesellschaftliche Verallgemeinerung des Genusses ist.
Der in Deutschland vorherrschende Hass auf das vermeintliche Einkommen ohne Arbeit und das unterstellte Glück ohne Zwang, der antikommunistischer nicht sein kann, hat ideologische Tradition und wird durch solche Aktionen bedient. Das Ressentiment hat kein Interesse an der Einsicht in seine gesellschaftlichen Voraussetzungen, an der Erkenntnis.
So auch nicht an der, dass die Ausbeutung der lebendigen Arbeit in der Produktion, die Aneignung des Mehrwertes durch das Kapital, in der modernen Gesellschaft keine personelle darstellt, sondern sie sich abstrakt und unter sich instrumentell zueinander verhaltenden Warentauschenden qua Kontrakt vermittelt vollzieht. Unter der Herrschaft des Gewaltmonopolisten wird im nationalen Zwangs- und Verwertungszusammenhang vom empirischen Individuum abstrahiert, die Vereinzelten gelten de iure als formell freie und gleiche Subjekte (anders gestaltet es sich bei den staatlich illegalisierten Menschen).
Den Imperativen und dem Takt des Akkumulationsprozesses sind alle in die gesellschaftliche Verwertungsmaschinerie der Produktion, Verwaltung und Konsumtion Integrierten ausgesetzt, Charaktermasken des Kapitals wie der Lohnarbeit. Es ist in der modernen Gesellschaft nicht die Bourgeoise, die da vermeintlich als gesellschaftliches Subjekt daher kommt, herrscht und instrumentalisiert. Dieser Eindruck kann aber durch eine zum benannten Anlass am Wiesbadener Kurhaus vorbeiziehenden antikapitalistischen Demonstration vermittelt werden.
Es ist der sich prozessierende abstrakte Wert, der die Menschen in der kapitalisierten Gesellschaft beherrscht, welchen sie aber selbst unentwegt und unbewusst in ihrer Existenz als Warentauschende reproduzieren.
Das Individuum wird dabei als organisches Ding, als Arbeitskraftmonade gesetzt, mittels derer sich die Akkumulation vollzieht. In ihren gesellschaftlich objektiv vorhandenen, dem Kapital immanenten Klassen verhalten sich die Atomisierten strukturell in permanenter marktvermittelter, existenzieller Konkurrenz zueinander: ob als KapitalistInnen um die Aneignung und Realisation des in den produzierten Waren verdinglichten Mehrwertes in der Zirkulation oder als Eigentumslose um eine das physische und soziale Dasein sichernde Lohnarbeit.
Dabei gilt in Bezug auf Erstere, dass die „freie Konkurrenz […] die immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion dem einzelnen Kapitalisten gegenüber als äußerliches Zwanggesetz geltend [macht]“ (Marx). Oder, wie Heinrich es formuliert: „Die einzelnen Kapitalisten werden [zur] Bewegung des rastlosen Gewinnens […] durch die Konkurrenz der anderen Kapitalisten gezwungen: Wird nicht akkumuliert, wird nicht der Produktionsapparat ständig modernisiert, droht das eigene Unternehmen von Konkurrenten, die billiger produzieren oder bessere Produkte herstellen, überrollt zu werden.“
Es herrscht also der gesellschaftliche Zwang zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft oder zur Ausbeutung dieser.
Unter anderem deshalb stellt personalisierender und moralisierender Antikapitalismus keine Kritik der politischen Ökonomie, sondern zumeist Ressentiment dar. Abseits der Funktion, in der sich das Subjekt im kapitalisierten gesellschaftlichen Stoffwechselprozess befindet, bleibt dennoch – so ist doch anzumerken –, die individuelle Entscheidung, welche Beziehung zum Bestehenden eingenommen wird. Ob eine apologetische, affirmative oder negatorische, wobei Letztere sicher auch einen Luxus darstellt, der nicht ohne Zeit und Zugang zu Materialien der Kritik zu denken ist.
Es ist durchaus sympathisch – wenn auch nicht gleich kommunistisch –, wenn der Klassenantagonismus organisiert zu seinem Ausdruck kommt, wenn die lebendige Arbeit sich nicht nur institutionalisiert und mittels ins Spektakel integrierter Aktionen für ihre materiellen Interessen einsetzt und nichts darauf gibt, wie es dabei um das nationale Kapital und den Staat in der globalen Konkurrenz bestellt ist. Verwiesen sei hier zum Beispiel auf die aktuellen riots gegen die Rentenreform in Frankreich.
Nur: An eine solche Praxis ist in Deutschland, wo Mob und Elite sich vereinten, wo Volksstaat und Vernichtung sich materialisierten, nicht zu denken. Und es ist nicht nur der Klassenkorporatismus, der auch noch nach der Zerschlagung des Dritten Reiches durch die Alliierten Bestand zeigte.
Dass also, wer in Deutschland zum antikapitalistischen Protest animiert, immer auch Ressentiment und Regress mobilisiert, sollte bei einem solchen Anlass der Demonstration bewusst sein. Denn hier galt und gilt die Ideologie der Entsagung und die „Lüge von der notwendigen schicksalhaften Verbundenheit der Einzelnen im nationalen Zwangskollektiv – die Lüge also, welche die aufklärerische Idee der Menschheit und mit ihr das bis heute uneingelöste Versprechen der sozialistischen Revolution dementiert, den Verein freier Menschen“ (Pohrt) – und sie bezieht sich beim deutschen Plebs noch immer auf das Volk, wenn auch antinationale Gruppen den Deutschen einen inzwischen modernisierten Nationalismus attestieren, der sich vermeintlich nicht besonders von dem anderer nationalstaatlich organisierter Gesellschaften unterscheide.
Und wer dem Volk als zersetzend, kosmopolitisch und unproduktiv gilt, ist bekannt.

von adorno zu mao…

Am Samstag, den 9.10.2010, stellt Jens Benicke sein Buch „Von Adorno zu Mao – Über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung“ im Cafe Kurzschlusz (Kleiststraße 5, FH Frankfurt am Main) vor.
Die von Ole Schmitt moderierte Veranstaltung beginnt um 20 Uhr und wird von der Autonomen Liste Cafe Kurzschlusz organisiert.
Erinnert sei hier zudem nochmal an die Vorstellung von „Iran im Weltsystem – Bündnisse des Regimes und Perspektiven der Freiheitsbewegung“ und „Verratene Freiheit – Der Aufstand im Iran und die Antwort des Westens“ am 6. Oktober mit den Herausgebern Stephan Grigat, Oliver Piecha und Thomas von der Osten-Sacken – moderiert von Alex Feuerherdt, organisiert von der Prozionistischen Linken (s.u.).

wider das elend

In einer verwalteten Welt, in der die gesellschaftliche Praxis von Unvernunft und instrumenteller Vernunft bestimmt wird, in der Hunger kein Grund zur Produktion darstellt, werden die Krisen, wird die Unmenschlichkeit weiter bestehen. Ein revolutionäres Subjekt, das sich der Abschaffung von staatlicher Herrschaft und Kapitalverwertung annimmt, um die kommunistische Diktatur der Bedürfnisse der Menschen globalgesellschaftlich praktisch werden zu lassen, ist nicht auszumachen.
Die materiellen Bedingungen der Beseitigung des Hungers und der Befreiung der Gattung sind schon lange gegeben. Doch nicht einmal die Menschheitskatastrophe, die Barbarei der losgelassenen Deutschen, schien dem Proletariat, das zuvor partiell noch eine organisierte Emanzipationsgewalt darstellte, Anlass zu sein, sich die Produktionsmaschinerie und das Mehrprodukt anzueignen, so dass die Menschheit sich ihrer bewusst wird und aus ihrer Vorgeschichte tritt.
So blieb und bleibt den KritikerInnen gestern wie heute nur der Imperativ: „Je unmöglicher der Kommunismus ist, desto verzweifelter gilt es für ihn einzutreten“ (Horkheimer). Er wird wahrscheinlich auch morgen noch der ihrige sein…